Die Empfänger

Mehr Wärme auf dem letzten Weg

SZ_25_06_2016_Adventskalender_2

Im Klinikum Großhadern hat das erste Kinderpalliativzentrum in Bayern eröffnet. Ziel ist es, den kleinen todkranken Patienten gemeinsam mit ihren Familien möglichst viel Empathie und Freiraum zu bieten

VON CHRISTIAN KRÜGEL

Alles begann mit Nora. Das Mädchen war schwer an Leukämie erkrankt, musste wochenlang abgeschirmt auf der Intensivstation im Klinikum Großhadern liegen und stellte irgendwann die eine Frage: „Werde ich jemals wieder die Sonne sehen?“ Noras Frage war für Monika Führer der Impuls zu handeln. Die Medizinerin wollte es nicht länger akzeptieren, dass schwer und unheilbare kranke Kinder nur in sterilen, kinder- und familienunfreundlichen Stationen versorgt werden. „Wo Heilung nicht mehr möglich ist, muss die Familie da sein, und dafür brauchen wir den Platz“, sagt Monika Führer, inzwischen Professorin für Kinderpalliativmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität.

Mehr als zehn Jahre nach Noras Frage ist nun der Platz für die Familien da, blicken die todkranken Patienten durch große Fenster auf den Wald von Martinsried, scheint die Sonne durch einen Innenhof, der an einen Ferienklub am Mittelmeer erinnert. Am Freitag wurde das Kinderpalliativzentrum am Klinikum Großhadern eröffnet, in dem bis zu acht Kinder und ihre Familien künftig betreut werden können. Es ist das erste Zentrum dieser Art in Süddeutschland und das erste in ganz Europa, das mit einem Uni-Klinikum verbunden ist. Das biete ideale Voraussetzungen, um zwei Ziele zu vereinen, sagten Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle und Großhaderns Ärztlicher Direktor Karl-Walter Jauch in Eröffnungsreden: Zum einen die Palliativmedizin weiter zu entwickeln, zum anderen den Familien möglichst viel Empathie und Freiraum zu bieten. Das Ziel sei, sagt Monika Führer, die schwerkranken Patienten in einem wohnlichen Ambiente so zu stabilisieren, dass sie danach wieder in ihrem häuslichen Umfeld gepflegt werden können. Die Medizinerin hat nicht nur dieses Haus entwickelt, sondern ein ganzes Netzwerk aus Kinderärzten und -pflegern, Pädagogen, Psychologen und Theologen. Sie baute in Oberbayern ein ambulantes Kinderpalliativ-Team auf, das Familien schwerkranker Kinder betreut und sich um die medizinische Betreuung der jungen Patienten kümmert. Bald wird es fünf solcher Teams in Bayern geben – allein hier leiden laut Gesundheitsministerium rund 2700 Kinder an einer lebensverkürzenden Erkrankung, jedes Jahr sterben etwa 600. Monika Führers Netzwerk hat nun einen Mittelpunkt mit dem Haus in Großhadern. Der Bau (Entwurf: Meissler-Architekten, München) spielt mit viel Tageslicht, mit warmen Farben, mit natürlichem Lehmputz statt mit Sterilität. In den Zimmern gibt es alle Einrichtungen einer Intensivmedizin, aber eben auch Doppelschlafsofas für Eltern; Schränke, die die Kinder selbst einrichten können; Betten, die sich auf den Balkon schieben lassen.

Neun Millionen Euro hat der Bau gekostet, etwa sechs Millionen davon wurden dank eines Fördervereins erzielt. Dessen Vorsitzender Thomas Barth hatte sich mit Führer und Schirmherrin Karin Seehofer als genialer Spendensammler erwiesen, von der Krebshilfe bis zum FC Bayern reichen die Spender. Leser der Süddeutschen Zeitung halfen über den SZ-Adventskalender mit mehr als 250 000 Euro. Eine Unterstützung, die weiter dringend nötig sei, so Klinikumschef Karl-Walter Jauch. Die Kassen zahlten oft nur eine Grundversorgung, alles andere müsse zusätzlich finanziert werden. Thomas Barth nutzte die Eröffnung gleich für den nächsten Spendenaufruf: „Wir stehen erst am Anfang.“

Die Kinder sollen stabilisiert werden, um danach Zuhause gepflegt zu werden. Die Zahl der Spender ist groß, darunter sind die Krebshilfe, der FC Bayern und SZ-Leser

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