Die Empfänger

5,3 Millionen Euro für Nachbarn in Not

Dank der vielen Spenden von Lesern kann der SZ-Adventskalender viele Sozialprojekte unterstützen und Bedürftigen in München und der Region helfen – so auch Opfern der Schwabinger Bombenexplosion

München – Den Lesern der Süddeutschen Zeitung ist das Schicksal ihrer Mitmenschen in München und der Region nicht egal: Fast 5,3 Millionen Euro spendeten sie im vergangenen Jahr an den SZ-Adventskalender, der damit Armen, Kranken, Behinderten helfen und viele Sozialprojekte unterstützen konnte. Unter den Tausenden, denen die SZ-Leser geholfen haben, waren auch zwei Münchner, die durch ganz besondere Umstände plötzlich in Not gerieten: Sie hatten nach der Sprengung der Fliegerbombe in Schwabing alles verloren.

Bei der Explosion im Sommer wurde durch die Druckwelle und Feuer ihre Wohnungseinrichtung zerstört. Beide verfügten weder über eine Hausratversicherung, noch waren sie finanziell in der Lage dazu, sich Ersatz zu beschaffen. Auf die von Stadt und Freistaat angekündigte Entschädigung hoffte eine alleinstehende Schwabingerin vergeblich. Von ihrem kleinen Gehalt wäre sie aber nicht in der Lage gewesen, den verbrannten Hausstand kurzfristig zu ersetzen. Der SZ-Adventskalender ermöglichte ihr in Zusammenarbeit mit dem Sozialbürgerhaus Schwabing-Freimann, eine neue Grundausstattung für ihre verwüstete Wohnung zu kaufen. Ein Hartz-IV-Bezieher, in dessen Wohnung die Druckwelle die Fenster und das Mobiliar zerstört hatte, erhielt ebenso Hilfe.

Seit 1949 kümmert sich das SZ-Hilfswerk um Münchner in Not. Was damals mit der Ausgabe von Winterkleidung in der SZ-Redaktion begann, ist heute eine der wichtigsten Wohltätigkeitsorganisationen in Stadt und Umland. Fast 110 Millionen Euro haben die Leser in den vergangenen 63 Jahren gespendet. Das Besondere daran: Jeder gespendete Euro kommt ohne Abzug Bedürftigen zugute. Denn alle Ausgaben für Verwaltungskosten deckt der Süddeutsche Verlag. Für Oberbürgermeister Christian Ude ist dieses Engagement von Lesern, Redaktion und Verlag der Beweis, dass das Image von München als „Ellenbogenhausen“ einfach nicht stimme, wie er im Frühjahr sagte. Bei der jüngten Aktion kümmerte sich das Hilfswerk vor allem um traumatisierte Kinder und Jugendliche, alte Menschen, deren Rente nicht zum Leben reicht, wohnungslose Familien mit Kindern, schwer Kranke und ihre Angehörigen sowie junge Flüchtlinge.

Dem Aufruf, ihnen zu helfen, folgten die SZ-Leser nach ihren Kräften: Mit einer Spende von drei Euro aus dem Taschengeld bis hin zur höchsten Summe, 50 000 Euro. Die Münchner Stiftung der Wiesnwirte und Brauereien unterstützte die Aktion „Schülerlunch“ mit 25 000 Euro, bei der Kindern ein Essen in der Schule ermöglicht wird. Knapp 2300 Spender kamen ins Servicezentrum, um insgesamt 463 793 Euro einzuzahlen. Mehr als 140 Dauerspender überweisen monatlich ihren Beitrag und sorgen so für „365 Tage Weihnachten“, Hilfe über das ganze Jahr hinweg.

Im Namen der vielen Menschen, denen geholfen werden konnte, dankt Adventskalender-Geschäftsführerin Claudia Strasser den Lesern für das großartige Engagement. Viele zeigten ihre tiefe Verbundenheit, indem sie bei Geburtstagen auf Geschenke, bei Beerdigungen auf Blumen verzichten, um stattdessen um Spenden für den Adventskalender zu bitten.

Der Start für die nächste Aktion war vielversprechend: Den Auftakt bildeten zwei Benefizkonzerte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, bei denen insgesamt 55 000 Euro eingespielt wurden. Claudia Strasser hofft, dass sich auch die Leser wieder aktiv beteiligen, denn: „In Zeiten steigender sozialer Ungerechtigkeit und wirtschaftlicher Unsicherheit ist es besonders wichtig, sich solidarisch zu zeigen.“

Wie wichtig dies ist, zeigen Dankesbriefe. „Es war kein gutes Jahr für mich, doch jetzt sind eine schwere Krebsoperation und viele andere Krankheiten vorüber“, schrieb eine Frau. Und weiter: „Mit ihrem Lebensmittel-Geschenkpaket haben die SZ-Leser mir Freude ins Gesicht gezaubert.“ Eine Frau, der es nicht leicht fällt, aufgrund ihrer Schwerbehinderung auf Hilfe angewiesen zu sein, machte den Lesern ein besonderes Kompliment: Durch deren Hilfe „habe ich die Gewissheit, dass es immer jemanden gibt, auf den man sich verlassen kann“. (SZ, 24.11.12 von SVEN LOERZER)

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