Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Als sich die politische Lage zuspitzte, wollten die Eltern ihren ältesten Sohn in Sicherheit wissen. Also schickten sie den 14-jährigen Naqibullah von Afghanistan aus Richtung Europa. Drei Monate dauerte die Flucht, erzählt der junge Mann, der als sogenannter „unbegleiteter minderjährige Flüchtling“ im August in München angekommen ist und seitdem im Landkreis in einer Wohngruppe des Vereins Kinderschutz lebt.
Dort traf er den 15-jährigen Landsmann Fawad, der vor einem Jahr eingereist ist. „Wir sind beste Freunde“, betonen die zurückhaltenden Jugendlichen, die nur ein Ziel haben: „Lernen und einen guten Beruf ergreifen.“ Die Wohngruppen sind konzipiert für Kinder und Jugendliche, die in ihren Familien aus unterschiedlichsten Gründen nicht leben können. Minderjährige Flüchtlinge werden von Münchner Behörden aus Mangel an geeigneten Unterkünfte hierher verwiesen.
Die beiden afghanischen Jungen gehören in dieser Gemeinschaft zu den Älteren, fühlen sich aber dort herzlich aufgenommen. Doch sie spüren im Alltag die feine Grenze, die sie von der Lebenswelt der anderen Mädchen und Jungen trennt. Nicht die materiellen Güter sind es, um die Fawad und Naqibullah ihre jüngeren Mitbewohner beneiden. Ein neues Handy oder teuere Klamotten, „die Geschenke sind nicht das Problem“, sagt Fawad mit leiser Stimme. „So ist das Leben.“ Traurig stimmt die beiden Jugendlichen aber die Trennung von der eigenen Familie. Fawad hat seine beiden Eltern vor zwei Jahren verloren, ist mit den beiden Geschwistern alleine geflüchtet. Naqibullah musste sich der eigenen Sicherheit wegen von Vater und Mutter trennen, die mit den beiden jüngeren Brüdern in Kabul zurückgeblieben sind.
Wenn die jüngeren Mitbewohner der Wohngruppe mit ihren Eltern telefonieren, an den Wochenende fröhlich zu ihren Familien nach Hause fahren, stimmt das die beiden afghanischen Jungen traurig. „Wir bleiben dann hier, das ist ein bisschen schwer.“ Denn außerhalb der Wohngruppe haben sie noch keine Freunde gefunden. Noch besuchen die zwei eine Übergangsklasse, um möglichst schnell Deutsch zu lernen. Kontakte zu den Schülern der regulären Klassen gebe es dadurch aber kaum, erzählen sie.
Umso wichtiger ist den beiden ihre Freundschaft. In ihrer Freizeit hören sie Musik, lernen gemeinsam und schmieden Pläne für die Zukunft. Fawad möchte „weiter lernen, später noch auf die Realschule gehen“. Denn für seinen Traumjob, „Mechaniker bei BMW“, muss er einen guten Schulabschluss vorweisen, das ist dem jungen Mann klar. Naqibullah, der in Afghanistan Englisch gelernt hat, ist an Technik interessiert und würde gerne einen Beruf in der Computerbranche ergreifen. Die beiden jungen Männer planen ihre Zukunft in Deutschland, dafür wollen sie sich anstrengen. Denn, soviel ist beiden in den wenigen Monaten seit ihrer Ankunft klar geworden: „Ohne einen guten Beruf geht das nicht“.
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(SZ vom 04.01.12)