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08.12.2011

SZ vom 08.12.11

Leben mit Schmerzen

„Leider kann man abgenutzte Wirbel nicht austauschen wie etwa ein Hüftgelenk bei Arthrose“, sagt Olaf M. (Name geändert). Seit seinem 20. Lebensjahr hat der 56-Jährige Rückenprobleme. Wegen seiner Bandscheiben musste Olaf M. den ursprünglich erlernten Beruf des Drehers aufgeben und zum Chemielaboranten umschulen.



Vor mehr als 20 Jahren zog er nach Ludwigsfeld, in eine einfachst ausgestattete Mietwohnung in der Nähe des Betriebs, für den er arbeitete. „Nachkriegsstandard“, sagt Olaf M., der die kleine Wohnung selbst sanieren wollte. Doch vor fünf Jahren, kurz nachdem er damit begonnen hatte, die Räume zu sanieren, erlitt Olaf M. einen Herzinfarkt. Zudem verschlimmerten sich seine Rückenschmerzen so sehr, dass er zeitweise trotz starker Schmerzmittel kaum mehr laufen konnte. Seine Arbeit musste er aufgeben. Inzwischen geht es ihm wieder etwas besser, auch wenn er schwerbehindert bleibt: „Es war ganz schön hart, wieder hoch zu kommen.“ Heute hofft er darauf, dass er es schafft, so weit zu kommen, dass er wenigstens noch einen leichten 400-Euro-Job, zum Beispiel in einer Telefonzentrale, ausüben kann. Denn mit seiner kleinen Erwerbsunfähigkeitsrente zuzüglich Wohngeld liegt er nur ganz knapp über dem, was er vom Sozialamt an Grundsicherung bei Erwerbsminderung erhalten würde. Deshalb kann er Vergünstigungen, die Sozialhilfeempfänger erhalten, nicht in Anspruch nehmen, wie etwa die Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht. Zudem habe er „viele Ausgaben für die Gesundheit“, etwa auch für Aufbaumittel.
Seit längerem schon ist der Wasserzulauf der kleinen Badewanne defekt. Ununterbrochen rinnt Wasser in die Wanne. Der Vermieter will die Kosten für die Reparatur nicht tragen, weil es sich um einen Eigeneinbau des Vormieters handelt. Doch die von einem Handwerker für den Ersatz veranschlagten 350 Euro kann M. nicht aufbringen, da ihm nach Abzug der Miete nur rund 400 Euro monatlich zum Leben bleiben. Auch die 14 Jahre alte, defekte Waschmaschine müsste Olaf M. dringend ersetzen.

(SZ vom 08.12.11)