SZ Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung

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30.11.2009

Familie B. hat zwei behinderte Pflegekinder aufgenommen

Die Zettel hängen im Essbereich, beim Treppenaufgang, im Kinderzimmer:
„keine Ausdrücke“ steht darauf, „den Lichtschalter nur einmal bedienen“,
„kein Türenknallen“. Wenn Susanne B. nicht zum tausendsten Mal eine
Regel aussprechen möchte, zeigt sie aufs Papier und Bernhard weiß, was seine
Pflegemutter von ihm erwartet.



Ob er sich daran hält, ist eine andere Sache. Gerade haben die B.s einige Türen erneuert, die der Junge demoliert hatte. Als Bernhard mit fünf Monaten zu Susanne und Fritz B. kam, war klar, dass das Kind sich nicht wie andere entwickeln würde. Die leibliche Mutter ist drogenabhängig. Dem Elfjährigen sieht man seine autistischen Wesenszüge nicht an, was die Sache nicht leichter macht. Wenn Bernhard beim Einkaufen „Ausdrücke“ sagt, empfehlen Umstehende schon mal die Supernanny. Susanne B. geht mit Bernhard zur Verhaltenstherapie, wo er lernen soll, einfühlsamer mit seinen Mitmenschen umzugehen. Vor kurzem ist sie noch auf etwas gestoßen, das Bernhard gut tut: Osteopathie. Die Druckmassagen helfen beim Entspannen. Seitdem hat Bernhard aufgehört, mit den Zähne zu knirschen und Löcher in seine Pullis zu beißen. Die Krankenkasse bezahlt die alternative Therapieform aber nicht. Und Familie B. hat ohnehin enorme Kosten, nicht nur wegen der demolierten Türen. Die B.s haben noch einen zweiten behinderten Pflegesohn. Michi wird neun, auch er ist als Baby zu dem Ehepaar gekommen, das drei eigene Kinder groß gezogen hat. Eigentlich sollte er nur ein paar Wochen bleiben. Doch seine alkoholkranke Mutter schaffte den Entzug nicht. 1400 Gramm wog der Junge bei der Geburt, hatte zwei Löcher im Herzen, überlebte sechs Lungenentzündungen. Was Michi Freude bereitet, ist Musik: Er singt gern. Und er mag Pferde. Ein paar Reitstunden würde Susanne B. ihm gern schenken.

Wer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, das überwiesen oder Montag bis Donnerstag von 9.30 bis 18 Uhr sowie Freitag und Samstag von 9.30 bis 16 Uhr im SZ-Servicezentrum, Fürstenfelder Straße 7, eingezahlt werden kann.

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(SZ vom 30.11.09)