SZ Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung

FORMULARE

BITTE BEACHTEN SIE

Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)

05.01.2009

"Essenshilfe München" engagiert sich für Bedürftige

Die Verteiler

Es ist nicht gerade ein gemütlicher Platz, vor allem nicht an diesen kalten Tagen. Aber das Leben hat es ohnehin nicht gut gemeint mit den etwa 300 bis 400 Menschen, die regelmäßig zu dieser Garagenanlage an der Weißenseestraße kommen.



Von drei Garagen in Giesing aus versorgt die „Essenshilfe München“ Bedürftige mit Lebensmitteln. Den gemeinnützigen Verein hat Horst Schaefer vor acht Jahren mit einer Reihe ehrenamtlicher Mitstreiter gegründet, um der ärmeren Bevölkerung in dem Viertel zu helfen. Oft sind es ältere Menschen, deren Rente für den Lebensunterhalt nicht reicht, sagt Vereinsmitglied Martin Löwenberg, der sich engagiert, obwohl er selbst schon im 84. Lebensjahr steht. Auch Vereinsgründer Schaefer hat mit 72 Jahren das Renteneintrittsalter längst überschritten – dennoch holt er täglich mit einem aus Spenden finanzierten Lieferwagen Waren ab, die Geschäfte wegen des bevorstehenden Ablaufs des Mindesthaltbarkeitsdatums aussortieren.
Die Essenshilfe arbeitet ähnlich wie die Münchner Tafel, will sich aber nicht als Konkurrenz verstanden wissen. „Wir sind alle ehrenamtlich tätig und versorgen von einem festen Standort ausschließlich unser unmittelbares Umfeld in Giesing“, sagt Löwenberg. „Wir haben hier viele Sozialwohnungen mit sozial Schwachen.“ Viele Menschen schämen sich ihrer Armut. Wer zur Essenshilfe kommt, die in der Regel an sieben Tagen in der Woche Waren verteilt, muss sich als bedürftig ausweisen. Das Angebot wechselt – mal sind 1000 Krapfen zu verteilen, dann kommt eine Ladung Joghurt und Brot, Obst und Gemüse. Es kann sogar gelegentlich Wurst und Käse aus einem Feinkostgeschäft dabei sein. Die Menschen sind dankbar für jede Entlastung ihres Budgets, denn Hartz-IVLeistungen und Sozialhilfe sind eng bemessen. Oft reicht auch die Rente nicht, um den Lebensunterhalt und die zusätzlichen Kosten zu bestreiten, die einem Altersgebrechen aufbürden, weil die Kassen vieles nicht mehr bezahlen.
„Es gibt so viel Armut“, sagt Martin Löwenberg. Er kennt aus seinem Einsatz für die Essenshilfe viele Schicksale. „Die Ärmsten der Armen finden zu uns.“ Etwa eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern, „der Mann hat alles versoffen und ihr nur Schulden hinterlassen.“ Oder die Situation einer Mutter von drei kleinen Kindern, die schüchtern fragt: „Haben Sie etwas für unseren Hund? Ich kann ihn doch nicht weggeben, die Kinder haben ihn so gern.“ Anderen wiederum fällt es schwer, über ihr Leben zu sprechen, „sie haben einen Panzer um ihr Herz gelegt“, wie etwa der Mann, „der in Sibirien viel mitgemacht hat“, sagt Löwenberg. Die Helfer wissen, dass viele ihrer „Kunden“ sehr empfindlich sind. „Die Menschen sollen sich nicht als Bittsteller präsentieren müssen.“ Löwenberg bedrückt besonders, „dass ich immer neue Gesichter sehe – ich befürchte, der Kreis der Bedürftigen wird größer.“
Dabei hat die Essenshilfe im Moment selbst Probleme: Sie sucht eine neue Ausgabestelle. Weil sich Anwohner beschwert hatten, habe die Wohnungsbaugesellschaft, der die Garagen und der Privatparkplatz davor gehören, auf einen Umzug gedrängt. Nun hat die Essenshilfe die Aussicht, gleich in der Nähe als Untermieter zwei Räume zu bekommen. Doch die Kaltmiete dafür werde bei etwa 300 Euro pro Monat liegen – zu viel für den kleinen Verein. „Wir sind zwar bereit, unsere Mitgliedsbeiträge zu erhöhen, aber das reicht nicht, um die 4000 bis 5000 Euro Jahresmiete einschließlich Nebenkosten abzudecken“, sagt Löwenberg, der auch auf einen städtischen Zuschuss hofft. Den schnellen Start am neuen Standort will der „Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung“ mit Spenden unterstützen. Nicht nur für die ehrenamtlichen Helfer wären die neuen Räume eine große Erleichterung gegenüber dem ungeschützten Standplatz im Freien: „Die Menschen, die zu uns kommen, sind überwiegend älter“, sagt Löwenberg. „Die müssen jetzt in der Kälte stehen."

(SZ vom 05.01.09)