Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
An den Unfall könne sie sich nicht mehr erinnern, sagt Sabine M., „Filmriss“. Vielleicht will sie sich aber auch nur nicht erinnern. Bei dem Unfall vor 15 Jahren hat Sabine M. ein Bein verloren.
Seitdem muss sie eine Prothese tragen, oder sie sitzt im Rollstuhl, wenn das künstliche Bein mal wieder nicht funktioniert. Ihre Arbeit als Rettungsassistentin hatte die heute 44-Jährige nach dem Unfall aufgeben müssen, eine Zeitlang jobte sie in einem Call-Center. „Das war schrecklich“, erinnert sie sich, „ich hatte ständig ein schlechtes Gewissen, den Leuten irgendwelche Dinge aufschwatzen zu müssen.“ Mit der Zeit ging es Sabine M. psychisch immer schlechter, sodass sie auch diese Arbeit nicht mehr ausüben konnte. „Ich hab’ halt eine Macke von Kindheit an“, sagt sie.
Ihre Kindheit verlief alles andere als glücklich. Der Vater war Alkoholiker und verprügelte die Tochter regelmäßig. Die Mutter, sagt Sabine M., habe ihn in Schutz genommen. Bis heute spricht sie von ihren Eltern nur als „meine Erzeuger“, und seit die Mutter ihr den Satz „Du bist nicht lebensfähig“ an den Kopf warf, will sie sie nicht mehr sehen. Schon in ihrer Jugend war Sabine M. immer wieder stationär in psychosomatischen Kliniken, dort lernte sie auch ihren späteren Lebensgefährten kennen. Die beiden waren ein Paar, bis zu dem Autounfall, bei dem Sabine M. ihr Bein verlor. Erinnern könne sie sich nur noch daran, erzählt M., wie sie aufwachte: im Krankenbett, mit nur einem Bein: „Wenn ich gekonnt hätte, wäre ich aus dem Fenster gesprungen.“
Angst vor dem Spott
Heute lebt Sabine M. in einer Ein- Zimmer-Wohnung mit Blumenbildern an der Wand und einer großen Plastikrose überm Bett. Auf dem Couchtisch daneben stehen Medikamente, Antidepressiva, „keine Wundermittel“, sagt die 44-Jährige, aber sie helfen beim Überleben. Früher habe sie Angst vor allem Möglichen gehabt; Angst davor, die Wohnung zum Einkaufen zu verlassen, Angst, in der Arbeit von Kollegen verspottet zu werden. „Das war immer ein Riesenberg, der vor mir lag.“ Es gab Tage, da blieb sie einfach liegen, um der Angst zu entkommen. Inzwischen ist die Angst verschwunden.
Sabine M. hat gerade eine neue Arbeit angefangen, die ihr gut gefällt. „Wenn ich nichts tue, tick’ ich völlig aus“, sagt sie. Nur quälen sie jetzt wieder Rückenschmerzen; in der Arbeit muss sie viel heben – eine Bandscheibenmatratze, hofft M., könnte Linderung bringen. Doch auch sie selbst würde gern helfen, „Leuten, die ganz unten sind. Ich weiß ja, wie das ist.“
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(SZ vom 16.12.08)