Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Manchmal überkommen Wolfgang F. (Name geändert) die Gefühle. Dann weint er minutenlang, scheinbar grundlos. Existenzangst, das sei wohl der Grund, meint er.
Wolfgang F. ist 47 Jahre alt, lebt von Hartz IV und wird wohl nie wieder arbeiten können. Das prognostizieren zumindest die Ärzte. 2007 erlitt er einen Bandscheiben-Vorfall, es folgten fünf weitere. Seitdem diktieren Spritzen seinen Alltag. „Ich bin kein wehleidiger Mensch, aber manchmal muss ich auf allen Vieren krabbeln.“ Alle drei bis fünf Wochen erhält F. eine Spritze ins Rückenmark. Möchte er derzeit das Haus verlassen, muss er sich „wie ein Eskimo einpacken“, sagt er: „KaltesWetter ist Gift für meinen Rücken.“ Zusätzlich zu den Spritzen wird er zwei Mal wöchentlich akupunktiert – noch. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nur noch bis Ende des Jahres, dann muss F. ein Jahr pausieren. Davor hat er Angst: „Die Schmerzen werden dann wieder schlimmer.“
Mit 17 Jahren begann seine Krankheitsgeschichte, allerdings unbemerkt: Er stürzte vom Balkon seiner Eltern. Dabei verletzte er sich , vielleicht brach er sich auch etwas. Genau untersucht wurde das nie. Mit Mitte 20 erlitt er den ersten Bandscheibenvorfall, auch der blieb unbemerkt. Die Folgen merkte er vor vier Jahren. „Bei mir ist nichts zu retten: Ich darf nicht draußen arbeiten, in keinen Raum mit Zugluft, darf nicht mehr als zwei Stunden stehen oder sitzen – welcher Arbeitgeber lässt sich darauf ein?“, fragt Wolfgang F. Natürlich könnte er sich operieren lassen, sagt er, aber das wäre riskant: Die Ärzte müssten an den offenen Nerven operieren – „ein verkehrter Schnitt und ich sitze im Rollstuhl“. Bis vor kurzem versuchte F., Arbeit zu finden. Nun überlegen seine Ärzte, ihn in Frührente zu schicken, weil er ohnehin keine Arbeit mehr ausüben dürfte: Er darf nicht mehr als zwei Kilogramm tragen. Wie er den Alltag schaffe? „Ich habe nette Mitbewohner“, sagt F. Diese tragen ihm den Einkauf herein, leihen ihm das Auto, wenn er zum Arzt fahren muss – oder sind für ihn da, wenn ihn die Gefühle übermannen. Wolfgang F. lebt von 337 Euro monatlich. Demnächst wird die Rechnung für das Heizöl fällig. F. hat keine Ahnung, wie er das bezahlen soll. Er hofft, dass der Adventskalender der Süddeutschen Zeitung hilft.
(SZ vom 13.12.11)