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13.12.2011

SZ – Landkreisausgabe Dachau

Auf teurer Herbergssuche

Im Bruchteil einer Sekunde ist das Leben von Familie S. vollkommen aus den Fugen geraten. Schmerzlich erinnert sich Albert S. an den Moment, als der Beamte auf der Polizeistation ihm ein Tütchen vorlegte, darin eine Silberkette seiner Frau.



Da war Albert S. schlagartig klar, dass die Vermisstenanzeige, die er gerade aufgeben wollte, sinnlos ist. Denn seine Frau war bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben gekommen.
Seitdem mühen sich Albert S. und die drei Kinder tapfer, ihren Alltag ohne die Mutter zu meistern. „Ich muss schauen, wie ich alles hinkriege“, sagt der Vater ruhig. Bisher hat sich seine Frau um Haushalt und Kinder gekümmert. „Einkaufen, putzen, Hausaufgaben kontrollieren, Elternabend, jetzt sehe ich wie viel Arbeit dahinter steckt.“ Die Kinder, die alle noch zur Schule gehen, sind durch den schweren Verlust traumatisiert. Sie müssen den Tod der Mutter erst langsam begreifen und verarbeiten. Das braucht Zeit.
„Manchmal denken sie, die Mutter kommt gleich wieder“, berichtet der Vater. Aber die Kinder sehen auch die Not des Vaters und die praktischen Notwendigkeiten. Einen Haushaltsplan haben alle jetzt gemeinsam aufgestellt und jeder packt nach seinen Kräften mit an. Doch wenn dann das gemeinsam zubereitete Abendessen auf dem Tisch steht, „bleibt ein Stuhl leer, das schmerzt“. Zu den seelischen Wunden kommen konkrete, lebenspraktische Sorgen.
Denn Familie S. muss dringend eine neue Wohnung finden, ihr jetziges Domizil wurde gekündigt. Die Suche und die Angst, vielleicht nicht rechtzeitig wieder eine ordentliche Bleibe zu finden – das belastet Albert S. zusätzlich. Finanziell kommt die Familie zurecht, aber der zurückhaltende Mann macht sich viele Gedanken und Sorgen, ob und wie er die Organisation und vor allem auch die zusätzlichen Ausgaben für einen Umzug bewältigen wird.

(SZ vom 13.12.11)