Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Eine Geschichte wie die von Willi B. möchte niemand erleben. Sie ist ein Beispiel für finanzielle Misere und den jederzeit möglichen sozialen Absturz, der in den vergangenen Jahren auch zunehmend der Mittelschicht drohte. Dass er eines Tages zu den Verlierern gehören würde, damit hatte Willi B. nie gerechnet, hatte er doch einen gut bezahlten Job bei einer führenden Flugmotorenbau-Firma in München.
Bis die ganze Abteilung nach Indien outgesourct wurde und Willi B. seine Arbeit verlor. Eine neue Anstellung fand er nicht. Dann wurde seine Frau krank, er pflegte sie bis zu ihrem Tod. Als auch noch sein bester Freund bei einem Unfall ums Leben kam, fiel der Mann in eine tiefe Hoffnungslosigkeit. Er kümmerte sich um nichts mehr, ließ die Wohnung verkommen. Eines Tages saß er auf der Straße. Irgendwann hat das Sozialamt der Gemeinde ihn in einem Container untergebracht, wo er mehr schlecht als recht zurechtkam, auch weil ihn seine Depression im Griff hatte.
Und irgendwann konnte Willi B., mittlerweile 62 Jahre alt, nicht mehr selbst zur „Tafel“ gehen, um sich Lebensmittel zu holen. Also kam ein ehrenamtlicher Mitarbeiter vorbei und brachte ihm Essenspakete. „Nach ein paar Wochen habe ich gemerkt, dass er sich immer schlechter bewegen konnte. Und dann wurde mir klar, dass er wirklich Hilfe brauchte“, sagt Friedrich Voigtländer, der ehrenamtlich für die örtliche Tafel Fahrdienste erledigte. Doch Willi B. hat keine Krankenversicherung mehr, deshalb wollte kein Notarzt kommen. Die Sanitäter stellten fest, dass der Mann ernsthaft krank war und brachten ihn in sofort ins Krankenhaus. Dort wurden multiple Erkrankungen festgestellt: Der 62-Jährige ist herzkrank, seine Lunge ist geschädigt, er hat zu wenig Sauerstoff im Blut und Wasser in den Beinen.
Neben den richtigen Arzneien und dem lebenswichtigen Sauerstoff bekam B. nun auch genügend zu essen und zu trinken. Langsam kam er wieder zu Kräften. Doch als die Klinik das Bett brauchte, wurde der Mann kurzerhand in einem Altenheim untergebracht. Hier kam er ins Zimmer eines sehr alten Mannes, der jedes Eckchen Platz belegt hatte und den Fernseher laut laufen ließ. Vor Willi B. tat sich wieder ein tiefes schwarzes Loch auf. „Dort konnte er nicht bleiben. Doch sein bestellter, professioneller Betreuer kümmerte sich nicht“, sagt Voigtländer. Er bemühte sich fortan selbst, einen anderen Platz für seinen Schützling zu finden. Am liebsten wieder in der alten Umgebung.
„Der Container war total verwahrlost, Willi hatte ja nicht mehr gehen können und den Müll nicht mehr weggebracht“, berichtet Voigtländer und betont, es gehe nicht um Flaschen. Willi sei kein Alkoholiker. Die Gemeinde habe die Behelfsunterkunft ausräumen lassen, den Raum gesäubert und neu gestrichen. Nun soll die 18 Quadratmeter große Unterkunft so eingerichtet werden, dass Willi B. dort wieder einziehen kann. „Einiges musste verändert werden, um die Sauerstoffflaschen unterzubringen“, sagt Voigtländer, der inzwischen auch rechtlich zum Betreuer bestellt wurde. B. ist zuversichtlicher, muss sich aber dringend die Zähne versorgen lassen. Auch bei der Einrichtung fehlt einiges wie Waschmaschine, Trockner und ein TV-Receiver.
(SZ vom 20.12.11)